Über Wahrnehmung und Achtsamkeit
- Anna-Marielle Krivec

- 12. Jan. 2022
- 2 Min. Lesezeit

Mein ganzes Leben haben die klugen Menschen um mich herum mir gesagt, dass alle Probleme, die ich hatte, daran lagen, dass ich mich nicht genügend abgrenzen könnte, zu viel fühlen würde, zu offen, zu ehrlich, zu naiv und zu freundlich wäre.
In gewisser Weise lagen sie damit in Teilen sehr richtig. Rückwirkend sehe ich es aber eher so, dass ich mir einfach noch nicht ein Umfeld und ein Leben nach meinen Vorstellungen und meinen Bedürfnissen geschaffen hatte. Ein Umfeld, wo ich gerade wegen dieser Eigenschaften angenommen und wertgeschätzt werde.
Klar, ich nahm immer sehr viel mehr wahr als die meisten meiner Mitmenschen und öffnete mich auch schneller, aber ich wollte auch genauso viel wahrnehmen und schärfte und trainierte meine Sinne absichtlich! So sensibel zu sein und so einen Schatz an Emotionen und Mitgefühl zu haben, ist für mich ein großer Reichtum und fühlt sich mittlerweile an wie eine Superkraft, die die Welt dringend braucht.
Aber je mehr ich mich öffne, durchlässig werde und somit wahrnehme, desto achtsamer muss ich natürlich mit mir sein. Desto wachsamer muss ich meine Bedürfnisse und die Bedürfnisse meines Umfelds voneinander abgrenzen und desto genauer muss ich darauf achten, wo diese sich gegenseitig nicht gut tun.
Je näher ich in den Kontakt mit meiner Umwelt und meinem Umfeld gehe, desto klarer und größer muss ich meinen eigenen Raum stecken und dehnen um in meiner Selbstachtung und Selbstliebe groß zu bleiben und mich nicht als Fremdkörper in einem Strudel unerfüllter Bedürfnisse der anderen zu fühlen.
Die letzten 10 Jahre habe ich es perfektioniert, meine Gefühle zu differenzieren und zu verbalisieren, das Bedürfnis hinter meinem momentanen Gefühl klar zu formulieren und mir dann meine Bedürfnisse selbst zu erfüllen oder bei Bedarf jemanden konkret um etwas zu bitten. Mich bei einem „Nein“ zu freuen, dass mein Gegenüber selbst Verantwortung für sich übernimmt und dann jemand anderes zu fragen, der dafür mehr Kapazität und Freude übrig hat.
Mit 18 Jahren fand ich dieses Prinzip bei Marshall Rosenbergs „Gewaltfreier Kommunikation“ wieder. Für alle, die sich darin etwas üben möchten ist es ein wunderbarer Einstieg und eine Möglichkeit das Vokabular in dieser Richtung zu erweitern.
Von Herzen,
Marielle




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